Osterreise

Die Woche hat nicht wirklich gut begonnen. Ich lag mit einer heftigen Lungenentzündung das ganze Wochenende im Bett, Dienstag wird Caro auch krank, ebenfalls eine Erkältung, ebenso kränkelt Mario auch ein wenig vor sich hin. Neben seiner normalen Arbeit, müssen auch noch einige Aufträge unseres Geschäftes erledigt werden. Aber es klappt.
Donnerstag Abend gibt es eine nicht so tolle Nachricht. Die Fährgesellschaft  Sea France streikt und es gibt keinen Fährbetrieb. Nur durch Zufall hat Mario dies in einem Newsletter auf der Arbeit gelesen. Aber nach 20.00 Uhr lässt sich auch bei einer Hotline nichts mehr ausrichten. Also werden wir es morgen versuchen und hoffen schon jetzt, dass es nicht so weitergeht.

Heute können wir „unseren Nasenbär“ in Rheinbach in Empfang nehmen.
Der Tag beginnt früh und ist auch ziemlich stressig. Schnell noch den letzen Rest Wäsche waschen und bügeln, um 11:00 Uhr noch einen Termin beim Kieferorthopäden mit Caro, die englischen Pfund noch bei der Bank holen und dann um 14:00 Uhr in Rheinbach sein.
Auch muss noch die Sache mit der Überfahrt geklärt werden. Aber wir können zum Glück bei Sea France stornieren und bei P&O neu buchen. Aber wesentlich früher. Abfahrt ab Calais 16:00 Uhr, statt 19:50 Uhr.
Nach dem Termin beim Kieferorthopäden hat Caro auf gut deutsch die „Schnauze erst einmal voll“ und mag nicht wirklich mit nach Rheinbach. Zum Glück springen Oma Gaby und Opa Peter ein – Danke! –
Für Mario und mich heißt das wieder bis 17:00 Uhr in Freudenberg sein, da die Beiden noch einen Termin haben.
Auf geht´s.
Es klappt trotz des freitäglichen Feierabend – und beginnenden Urlaubsverkehr recht gut und wir sind pünktlich, aber doch recht genervt wieder in Freudenberg angekommen.
Bis alles verstaut und eingepackt ist,  vergehen Stunden und um 22:30 Uhr reicht es gerade noch für ein kurzes Abschiedsbier, denn wir müssen morgen früh um 6:00 Uhr los.

Pünktlich um 6:00 Uhr, das erstemal überhaupt, wenn wir in Urlaub starten, verlassen wir Freudenberg.
Aber nicht das alles glatt läuft. Nein, nicht wirklich....
Mario möchte die Aufbau-Tür aufschließen und er hört nur noch in der Tür ein sanftes, aber deutliches Klackern eines Plastikteils und stellt ernüchternd fest, die Tür ist noch verschlossen, aber das Schloss kann man in alle Richtung drehen. Zum Glück, wie wir erst später in England bemerken werden, lässt sich die Tür noch von innen Öffnen und auch, wenn auch nicht ganz sanft wieder Zuziehen.
Die Fahrt verläuft ruhig und wir kommen ohne Stau bis nach Belgien wo wir um die Region von Nieuwpoort Mittagspause machen und die Gelegnheit nutzen noch mal kostengünstig pfandfreie Getränke und einige frische Sachen einkaufen. Ebenso wird der „Magen“ von unserem Nasenbär wieder mit Diesel aufgefüllt, so dass er wieder zufrieden „brummen“ kann und es geht weiter Richtung Calais.
Wir erreichen viel zu früh den Terminal, holen uns aber schon mal die Tickets und fahren dann ins eigentliche Terminal rein.
Schon hier fallen uns die wenigen LKWs und auch PKW auf, und trotz des Streiks legt eine Sea France Fähre ab. Nun gut, es stört uns nicht weiter und wir machen uns auf den Weg. Nach einigen Pass- und Autokontrollen werden wir auf die Lane 83 gebeten. Hier sollen wir auf unsere Fährpassage um 16:00 Uhr warten. Wir wollen es gerade gemütlich machen, da werden wir sehr nett höflich aufgefordert, in die Fähre einzufahren.
Letztendlich ca. 3 Stunden früher als geplant. Parken dürfen wir auf dem Busdeck und entsprechend klein kommen wir uns vor.


Nach dem Aussteigen erklimmen wir die steilen Treppen und es empfängt uns Sonnenschein und ein spiegelglatter Ärmelkanal.
Langsam verlässt die Fähre den Hafen und Caro weiß nicht so
recht, was sie davon halten soll, aber nach einiger Zeit kann auch sie die absolut ruhige Überfahrt genießen und durchstreift mit Mario die unterschiedlichen Decks und kleinen Geschäfte.


Ich habe es mir im Sitzen bequem gemacht, da ich mich immer noch nicht wirklich fit und gesund fühle und versuche ein bisschen zu schlafen.

Nach gut einer Stunde kommen so langsam die Kreidefelsen von Dover zum Vorschein, aber auch das Wetter ändert sich.
Backbord (links) ist es nebelig und windig, steuerbord  (rechts) scheint nochein wenig die Sonne und lässt die Kreidefelsen „erstrahlen“.

Da wir leider recht früh per Durchsage wieder zum Womo zurück müssen, bleibt keine Zeit mehr für Photos, welche die Kreidefelsen deutlicher zeigen.
Nach dem Anlegen und Verlassen der Fähre beginnt für unseren Fahrer und Chauffeur Mario das Abenteuer „Linksverkehr“. Nach weiteren Passkontrollen und Abscannen des Nummernschildes wenden wir uns Richtung Westen nach Folkstone. Wir „schwimmen“ im Verkehr mit und somit hat auch Mario die Chance sich daran zu gewöhnen, dass man linksrum in den Kreisverkehr einfährt und sich völlig anders orientieren muss.
So langsam macht sich die Müdigkeit bemerkbar und wir suchen uns ein schönes und ruhiges Plätzchen in Folkstone direkt an der Straße entlängst der Steilküste

Unser Stellplatz für die Nacht mit Blick auf den Kanal und Hafen von Folkstone.



In dieser schönen Lage verbringen wir den ersten Abend
und Nacht und gewöhnen uns langsam daran, dass unser Nasenbär
doch recht deutlich von dem auffrischenden Wind durchgeschaukelt wird.

„Mein Bett und ich bin ja so müde“



„Und wo geht es morgen hin?

Das Navigationsgerät wird uns schon den rechten Weg weisen.

Wer uns genauer kennt, weiß auch, dass wir nicht wirklich  gerne zelten, wandern oder uns sonst irgendwie länger in der Natur aufhalten mögen und nicht gerade als „wetterfest“ gelten.
Wenn Urlaub, dann sollte es schon eine feste Behausung mit gewissen Komfort sein, also eine Ferienwohnung. Weiterhin sollte sie relativ zentral gelegen sein, sodass man einiges unternehmen kann. Vornehmlich irgendwelche Parks, sei es Zoo, Freizeitpark oder ähnliches......
Doch dann kam Harsewinkel und das Flugplatzfest der Modellflieger Pfingsten 2007 und Mario und ich ließen uns zum erstenmal auf das Abenteuer Campen ein, da wir dort beruflich zu tun hatten.
Wir haben uns einen umgebauten VW T4 – Danke Rene – ausgeliehen, nicht wirklich alles eingepackt, was man zum Campen  braucht und los ging das Abendteuer. Selbst nach 3 Tagen waschen unter freiem Himmel mit wirklich kaltem Wasser, nicht duschen, Frühstücken mit Regen in der Kaffee-Tasse, Anzünden des Campingkocher an einer nicht ganz verloschenen Fackel vom Vorabend – wir hatten sogar das Feuerzeug vergessen -  und Toiletten, die nicht wirklich ausreichend für die Menge Teilnehmer waren, hat uns der „Wohnmobil- und Caravanvirus“ infiziert.
So kamen wir auf die Idee, ein Wohnmobil vielleicht auch privat und geschäftlich nutzen zu können.

Aber ist das wirklich etwas für uns ????
Um dieses herauszufinden, sollte man sich vorher diverse Modelle anschauen, sich auch mal länger wie 2 Minuten mit voller Familienbesetzung darin aufhalten und schlussendlich sich eines mieten.
Das Reiseziel wurde auch langsam aber sicher immer mehr eingekreist, bis sich schließlich England herauskristallisiert hat. Gründe dafür gab es schließlich genug.
Caro beginnt in der Schule mit Englisch-Unterricht und soll auch gleich erfahren, wie wichtig es ist, eine Fremdsprache zu beherrschen mit der man sich fast weltweit verständigen kann.
Hinzu kommt das meist nicht ganz so freundliche Wetter in England. Hier kann man prima herausfinden, ob man wirklich auf ca. 20 m² miteinander leben kann, ohne gleich einen „Wohnmobil-Koller“ zu bekommen und am liebsten sofort zu Fuß nach Hause gehen möchte, sei es noch so weit.
Und natürlich die Sehenswürdigkeiten in London und zu guter letzt ich bin auch noch nie dort gewesen.
Anfang Januar 2008 war es dann soweit und wir haben beim ADAC
ein Wohnmobil gemietet:
        
Das sollte Ostern unser Heim für zwei Wochen sein.
7, 50m lang, 3,20m hoch und 2,30m breit und komplett mit Küche, Bad und 4 festen Betten ausgestattet.
Fehlt nur noch ein Name für unser „Womo“, denn ohne Name geht kein „Womo“ auf Fahrt. Wegen des Alkovens taufen wir ihn für die 14 Tage  „Nasenbär“.
Das Abendteuer kann beginnen und je näher der Abreisetermin kommt, desto mehr Zweifel kommen auf, ob wir wirklich „womotauglich“ sind .
In den verbleibenden Wochen planen wir ein wenig unsere Tour.
Es sollen ca. 5 Tage Südengland werden und anschließend noch 5 Tage London mit „Kultur pur“.
Schon bei der Planung erleben wir einige Überraschungen. Man sollte auch Ostern die Campingplätze vorbuchen. Aber um dies zu können,
sollte man besser, damit das finanzielle Loch der Reisekasse nicht immer größer wird, Mitglied in einem der beiden Campingclubs von England werden. Wir haben uns für den „The Caravan Club“ entschieden. Es sollte sich noch herausstellen, dass dieses eine gute, wenn auch nicht ganz billige, Entscheidung gewesen sein sollte.
Nach und nach fügt sich dann eins zum anderen und so langsam überwiegt die Vorfreude den Zweifeln und dann geht es endlich los.

Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht zeigt sich das für England doch so typische Wetter mit Nebel, Kälte, Wind und Nieselregen.

Der Siegerländer würde es als „usselig“ bezeichnen, der Engländer als „misty“.
Frisch gestärkt nach dem Frühstück geht es dann zu einem kleinem Markt im Hafen von Folkstone, dabei darf natürlich der Strandsparziergang  nicht fehlen.
Unsere Reiseroute lässt uns heute weiter entlang der Küste Richtung Westen fahren.
Unseren ersten Stopp wollen wir in Hastings einlegen.

Bei der Stadt Wilmington entdecken wir zufällig den sogenannten „Long Man of Wilmington“. Es ist eine ca. 70m hohe Figur, die dort in den Kreidefelsen gescharrt wurde. Das genaue Alter ist unbekannt, aber man nimmt an, das er aus der Zeit der Römer oder sogar noch früher stammt.
Leider lassen die zu kleinen Parkplätze für unseren Nasenbären, das schlechte Wetter und der aufgeweichte Boden keine Wanderung zu. Also begnügen wir uns mit einigen Photos aus dem „Wohnzimmerfenster“ heraus.

Weiter geht es über Hastings und Plymouth unserem heutigen Tagesziel Brighton entgegen.


Unterwegs machen wir eine kurze Mittagspause bei MC Donalds. Da unser altes Navi nun endgültig den Geist aufgegeben hat, ergreift Mario hier im Einkaufszentrum die Chance in einem Elektromarkt zu einem annehmbaren Preis ein Neues zu kaufen.
Nach der erfolglosen Suche eines, nach Möglichkeit kostenlosen, Stellplatzes in Brighton entscheiden wir uns den nahe gelegenen Campingplatz „Sheep Coat Valley“ des Caravanclub anzufahren.
Wir werden dort direkt sehr freundlich empfangen und bekommen auch sofort einen Stellplatz. Nach einigen Problemen mit der Stromversorgung, die aber auf der typisch höflichen und hilfsbereiten Art der Engländer gelöst werden genießen wir den Abend und fallen gegen 21:00 Uhr todmüde ins Bett.

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